Schutzengel-Sterne

Die Schutzengel-Sterne

von Judith Johannsen

Tobias merkte, dass sein kleiner Bruder Lenni nicht einschlafen konnte. Unruhig wälzte er sich im Gitterbettchen hin und her. Tobias selbst konnte auch nicht schlafen. Die Brüder lebten in einem Land, wo es ein paar Monate lang sehr, sehr heiß war. Darum gab es in ihrer Wohnung Klimaanlagen. Diese pusteten kühle Luft durch die Räume. Aber die Klimaanlage im Kinderzimmer war kaputt. Papa hatte es noch nicht geschafft, sie zu reparieren.

Mama und Papa waren heute bei Freunden. Sie wohnten im gleichen Haus, aber ein Stockwerk tiefer. Mama hatte das Babyfon angemacht, damit sie hörte, wenn Lenni weinte. Tobias stieg vorsichtig aus dem Bett. Er machte das Licht an und schlich zu Lenni. Dann legte er den Finger an den Mund. Das bedeutete, dass Lenni leise bleiben musste. „Komm mit“, flüsterte Tobias, „ich hab eine Idee!“

Er half seinem kleinen Bruder aus dem Gitterbett. Dann fasste er ihn bei der Hand und sie verließen das Zimmer. Lenni lief brav mit. Er war sehr neugierig, was Tobias vorhatte. Die beiden schlichen zur Wohnungstür, dann über den Treppenhausflur zum Lift. Tobias drückte „Erdgeschoss“ und der Lift sauste nach unten. Dort angekommen, liefen die Brüder zur Glastür. Sie führte in den großen Garten. Tobias schob die Tür auf und nun standen sie draußen. Hier war es schon ein gutes Stück kühler! Und hier gab es auch einen großen Pool. In diesem durften alle schwimmen, die im Haus wohnten. Rundherum standen große Liegestühle.

Tobias konnte gut schwimmten, aber sein kleiner Bruder nicht. Außerdem war es verboten, allein zum Pool zu gehen. Das wusste Tobias ganz genau. Vielleicht würden Mama und Papa schimpfen, wenn sie ihn hier mit Lenni erwischten. Aber was sollte er machen? Er und Lenni waren zwar müde, aber sie konnten vor Hitze nicht einschlafen.

„Kleiner Windelmann“, sagte Tobias streng, „wehe, du machst jetzt Geschrei. Du darfst nur tun, was ich dir sage!“ Lenni nickte. Er wollte gar nicht schreien. Er fand es aufregend, so spät abends am Pool zu stehen. „Komm“, sagte Tobias, „wir halten unsere Füße hinein.“ Genau das taten sie. Sie setzten sich an den Beckenrand und Tobias legte schützend den Arm um Lenni. Dann planschten sie mit den Füßen. Sie planschten so sehr, dass ihnen das Wasser sogar ins Gesicht spritzte. Oh, tat das gut! Es war herrlich kühl und erfrischend.

Nach einer Weile krochen sie zusammen auf einen Liegestuhl. Lenni kuschelte sich fest an Tobias. Er fühlte sich geborgen und schlief schnell ein. Tobias sah zum Himmel. Er konnte das Sternbild Herkules erkennen. Das hatten Mama und Papa ihm gezeigt. Sie hatten auch erzählt, dass Herkules einmal ein starker Held und Beschützer gewesen war. Und sie hatten gesagt, welche beiden Sterne im Herkules-Sternbild zu Tobias und Lenni gehörten. Das waren ihre Schutzengel-Sterne. Sie leuchteten ein wenig heller als die anderen. Ganz bestimmt hatte jedes Kind auf der Welt einen Schutzengel-Stern. Tobias war sehr froh, dass er seinen und Lennis kannte. Diese Sterne sahen jetzt auf die beiden herunter. Da fühlte auch Tobias sich geborgen und schlief ein

Später kamen Mama und Papa in den Garten. Sie hatten sich bei ihren Freunden verabschiedet und wollten kurz die kühle Nachtluft genießen. Da entdeckten sie die Kinder! Sie hoben sie vorsichtig hoch und trugen sie in die Wohnung. Danach sahen sie aus dem Fenster. Sie bedankten sich bei den Schutzengel-Sternen, dass Tobias und Lenni nichts passiert war.

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